Pro Eigenthal Schwarzenberg - Kulturgut

Ein Ort geheimnisvoll und traditionell

Sagen

Wenn sich der Schleier der Abenddämmerung über den Pilatus legt und die Nebelschwaden aus der Rümligschlucht emporsteigen, dann spürt man es manchmal noch – dieses mystische Gefühl einer sagenumwobenen Landschaft.

  • Pilatussage

    Pilatussage

    Der Glaube an die sagenhafte Geschichte rund um den Pilatus war lange Zeit unerschüttert. Pontius Pilatus, der Landpfleger von Judäa, wurde von Kaiser Tiberius nach Rom berufen und gefangen gesetzt. Aus Verzweiflung machte er im Kerker Selbstmord. Seine Leiche wurde in den Tiber geworfen, wo alsbald über dem Wasser ein Gewitter losbrach, das entsetzlichen Schaden anrichtete. Der Leichnam wurde darauf wieder aufgefischt, nach Frankreich verbracht und in die Rhone geworfen. Doch auch in jener Gegend ging es wieder los mit grässlichen Unwettern.

    Der Tote wurde hierauf nach Lausanne transportiert, wo er sich gleich unbändig bemerkbar gemacht haben soll. Also wurde beschlossen, ihn in das wilde Gebiet des Frakmont bei Kriens zu schaffen und an dem weltabgeschiedenen Ort auf der Oberalp in den düsteren kleinen See zu werfen. Doch es gab auch hier keine Ruhe: Pontius Pilatus regte Wasser, Winde und Wolken auf, dass drunten im Tal alles überschwemmt, verhagelt und vom Sturm zerstört wurde. Die Sage berichtet, dass Pontius Pilatus als scheussliches Ungeheuer auf den Höhen herumfuhr. Dies, bis es einem fahrenden Schüler aus Salamanca (spanische Provinzhauptstadt) gelang, ihn durch kräftige Beschwörungsformeln wieder in den See zurückzubannen. Dies allerdings mit der Zusage, dass Pontius alljährlich am Karfreitag mitten im See seinen «Prätorstuhl» aufrichten und im Ornate darauf thronen dürfe. Im Wasser der Pfütze hielt er sich in der übrigen Zeit still und manierlich, nur musste man ihn ungeschoren lassen. Sobald man am See laut sprach, gar seinen Namen rief oder Holz und Steine in das Wasser warf, wurde er zornig. Es wurde schwarz am Berg, Blitze feuerten und Donner rumpelten. Graus und Verheerungen brachen über das Land «drunten» herein.

    Die Sennen auf der Alp wurden von der Regierung in Eid und Pflicht genommen, niemanden zum Pilatussee hinaufgehen zu lassen. Der Rat von Luzern erliess diesbezüglich mehrere scharfe Verbote. Indes muss doch ab und zu ein Frevler hinaufgelangt sein, denn immer wieder brachen schwere Unwetter vom Berg her über das Land herein. Einer, der es gewagt hatte, sich dem See zu nähern, soll in der Folge gar hingerichtet worden sein. Reisende und Gelehrte, die den geheimnisvollen Berg besteigen wollten, mussten bei der Obrigkeit um Bewilligung nachsuchen, so Herzog Ulrich von Württemberg, der Gelehrte Joachim Vadian aus St. Gallen und der bekannte Naturforscher Conrad Gessner aus Zürich, dessen Konterfei die 50-Franken-Note von 1978 bis 2016 zierte. Stadtknechte begleiteten in der Regel diese Pilatusgänger, die als Ziel meist das Gebiet von Oberalp und Mittaggüpfi im Auge hatten.

    Quelle: Pilatus, Sagen und Geschichten, Hans Pfister

  • Drachensage

    Drachensage

    Im Sommer 1421 flog ein gewaltiger Drache zum Pilatus und stürzte so nah bei Bauer Stempflin in die Tiefe, dass dieser in Ohnmacht fiel. Als er wieder zu sich kam, fand er einen Klumpen geronnenes Blut und den Drachenstein, dessen Heilwirkung 1509 amtlich bestätigt wurde.

    Im Herbst fiel ein junger Bursche am Pilatus in eine tiefe Höhle und blieb zwischen zwei Drachen liegen. Doch sie taten ihm nichts. Als es Frühling wurde, verliess einer der beiden Drachen sein Winterquartier und flog fort. Der andere gab dem Burschen zu verstehen, es sei nun an der Zeit auszuziehen. Der Drache kroch zum Ausgang, hielt dem Burschen den Schwanz hin und zog ihn so aus der Höhle.

    In der Chronik von Petermann Etterlin steht zu lesen, wie der Landamann Winkelried einen der Pilatusdrachen tötete: Er umwickelte einen Speer mit Dornengestrüpp und stiess ihn in den offenen Rachen des Drachens, dann vollendete er sein Werk mit dem Schwert. Dabei spritzte ein Tropfen des giftigen Drachenblutes auf seine Hand. Dieser Tropfen – und der vergiftete Atem des sterbenden Drachen – liess das Blut in Winkelrieds Adern gefrieren und brachte auch ihm den Tod. In den frühen Morgenstunden des 26. Mai 1499 war in Luzern ein wundersames Spektakel zu sehen: Nach einem fürchterlichen Unwetter tauchte ein riesiger flügelloser Drache aus den wilden Wassern der Reuss bei der Spreuerbrücke auf. Wahrscheinlich war der Lindwurm vom Gewitter überrascht und vom Pilatus her in den Krienbach gespült worden, der unterhalb der Jesuitenkirche in die Reuss mündet. Mehrere ehrsame und gebildete Bürger verbürgten sich für die Wahrheit dieser Geschichte.

  • Eigenthal-Sage

    Eigenthal-Sage

    Der alte Senn auf der Stäfelialp, Anton Balmer, erzählte mit aller Bestimmtheit von Hexen, die auf dem Widderfeld den Schnee weggetanzt hätten, um ihre heissen Füsse zu kühlen! In der Nähe der heutigen Kapelle im Eigenthal stand eine Scheune, in der regelmässig Hexensabbat gehalten wurde, da die Bäuerin selber eine Hexe war. Der Knecht hörte einmal zu, wie seine Herrin ihrem Genossen (dem Teufel) klagte, ihr Mann habe den fruchtbarsten Acker für den Kornbau bestimmt. Da gab der höllische Meister der Hexe, die als Feindin von Brot galt, den Rat, sie solle sich, wenn der Dünger auf das Feld geführt werde, als Kröte hinten auf den Wagen setzen. Wenn es ihr gelänge, dass sie so auf den Acker geführt werde, würden die Halme nur leere Spreu hervorbringen. Als nach einigen Tagen gedüngt wurde, setzte sich die Frau wirklich als Kröte hinten auf den Wagen. Der Knecht aber, der um alles Bescheid wusste, schlug das Tier mit einem Stock zu Boden. Von dieser Zeit an hatte die Bäuerin ein lahmes Bein. Noch jetzt heissen die Gräben zwischen den Liegenschaften Fuchsbühl und Würzen Hexengraben und Hexentobel.

    Die Hexen, die sich im Pilatusgebiet herumtrieben, sollen recht «gruselig» ausgesehen haben. Sie hatten gelbe Kleider, rote Haarsträhnen, zackige Nasen, schief stehende, schielende Augen und herabhängende Brüste. Als Geschirr zur Ausübung ihres unheimlichen Gewerbes trugen sie das Häfeli mit Salbe zum Viehverderben und Hagelmachen, dazu den unvermeidlichen Besenstil. Der Ausdruck «Hexenbesen» ist heute noch gebräuchlich für missgebildete Zweige an Tannen.

    Quelle: Pilatus, Sagen und Geschichten, Hans Pfister

  • Wüetis Heer

    Wüetis Heer

    In uralter Zeit versetzten oft wilde Geisterzüge in der Gegend um Luzern und im Pilatusgebiet die Leute in Angst und Schrecken. Starb jemand, so glaubte man, hauche er seine Seele in den Wind. Mit diesen Seelen der Verstorbenen hauste Wodan der Götterfürst, im Volksmund auch «Wüetis» oder «Türst» genannt, in einem Berg. Doch es gab Nächte, da verliess er auf einem milchweissen, achtfüssigen Pferd den unheimlichen Ort. Wie der Sturmwind brauste er dann mit wehendem Mantel hoch über die Felder, Wälder und Wolken dahin.

    Begleitet von den armen Seelen in schrecklicher Gestalt. Ohne Kopf, die Beine auf den Schultern tragend, auf zweibeinigen Pferden reitend oder auf Räder gebunden, die von selbst rollten, so wälzte sich der wilde Tross hinter dem Gespensterfürsten her. Darunter mischten sich Raben und andere Totenvögel. Wer das «Kui wit, kui wit!» – «Komm mit, komm mit!» – des Steinkauzes hörte, musste sich dem Geisterzug bald anschliessen. Doch nicht nur Nacht- und Totenvögel begleiteten den grausigen Zug.

    Zu seinem Gefolge gehörte auch die Sträggele, eine alte hässliche Hexe und die Pfaffenkellnerin, ein Gespenst mit rot glühenden Augen. Man hörte Pferde wiehern, Peitschen knallen und Hunde kläffen. Hörner, wilde Rufe und Befehle gellten durch die finstere Nacht. Wenn die Leute dies vernahmen, schlossen sie schnell die Fenster und rückten näher zusammen: «Hörst du die wilde Jagd? Wüetis Heer fährt durch die Lüfte!». Wer sich nicht solchermassen in Acht nahm, dem konnte es passieren, dass er einen Schlag erhielt, dass sein Gesicht von der gespenstischen Luft anschwoll oder dass er gar vom grässlichen Haufen mitgerissen wurde.

  • Kampf mit dem Bären

    Kampf mit dem Bären

    Am Weg von Schwarzenberg zum Stäfeli und Mittaggüpfi stösst man auf die Bömmeren-Kapelle, um die sich im Lauf der Jahrhunderte die Sage von einer Bärenjagd gewoben hat. Diese berichtet vom reichen Arnenbauer, zu dessen Besitz auch die Alp Stäfeli gehörte, wo er jeweils das Vieh sömmerte. Die Stallungen reichten jedoch nicht aus und ein Teil des Viehs musste die Nacht im Freien verbringen. Eines Morgens entdeckte der Knecht, dass in der Nacht die schönste Kuh auf der Weide zerrissen worden war. Man glaubte, dass die bösen Pilatusgeister ihr Unwesen getrieben hätten. Doch der Meister befahl seinem Knecht in der nächsten Nacht Wache zu halten. Dieser stieg anderntags hinauf zur Weide, legte sich hinter einen Felsen und wartete, bis die Nacht hereinbrach. Erst gegen Mitternacht wurde das Vieh plötzlich unruhig. Der Knecht spähte aus seinem Versteck und gewahrte in seiner Nähe zwei feurige Augen und die Umrisse einer grossen, dunklen Gestalt. Er bekam es mit der Angst zu tun und verbarg sich hinter dem Stein.

    Am andern Morgen aber stellte er fest, dass wieder eine der schönsten Kühe zerrissen auf der Weide lag. Der Meister aber merkte, dass es sein Knecht in der Nacht mit der Angst zu tun bekommen hatte und schickte am nächsten Abend seinen Sohn auf die Weide, um Wache zu halten. Diesem gelang es dann, einen mächtigen Bären zu erkennen. Er liess sich jedoch nicht auf einen Kampf ein und kehrte noch in der selben Nacht zur Alphütte zurück. Dort erzählte er, was er gesehen hatte.

    Frühmorgens stieg er auf Geheiss seines Vaters ins Tal hinab, um Hilfe bei den Jägern zu holen. Eine stattliche Zahl machte sich noch am gleichen Tag auf den Weg, um auf der Alp Stäfeli nach dem Unterschlupf des Bären zu suchen. Ueli, ein Jäger aus Malters, stiess auf eine frische Bärenfährte, die ins Giessbachtobel hinunterführte. Im Gebiet der Alp Bömmeren fand Ueli nach langem Suchen zuerst den Bären, der unter einem Felsvorsprung lag. Sofort stellte der sich auf die Hinterbeine und ging zum Angriff über. Ueli schleuderte seinen Speer auf den Bären, traf diesen aber nicht richtig. Ueli flüchtete daraufhin mit riesigen Sätzen aus dem Gehölz und suchte bei einem Felsen Schutz. Der Bär folgte ihm aber auf den Fersen und noch bevor Ueli mit seinem Dolch zustossen konnte, versetzte ihm das wütende Tier einen Prankenhieb, der ihm den Arm zerfleischte. Ein zweiter solcher Schlag wäre sein Tod gewesen, doch da trat unversehens sein Jagdkamerad hinter dem Felsen hervor und spaltete mit einem gewaltigen Axthieb dem Braunpelz den Schädel. Man zweifelte, ob Ueli wieder genesen würde, doch der gelobte, in einem solchen Fall an dieser Stelle eine Kapelle zu bauen. Ueli wurde wieder gesund und erfüllte sein Gelöbnis.

  • Drachenstein

    Drachenstein

    Die Geschichte datiert aus dem Sommer 1421. Der Bauer Stempflin begab sich am schwülen und drückend heissen Tag mit seinem Gesinde bei Rothenburg aufs Feld um zu heuen. Sie beobachteten, wie sich von der Rigi her ein scheusslicher Drache näherte. Dieser senkte sich und flog ganz niedrig über die Bauersleute, um dann in Richtung Pilatus weiter zu fliegen. Die Hitze und vor allem der Gestank, den das Fabeltier verbreitete, waren derart stark, dass der Bauer in Ohnmacht fiel. Als er sich erholt hatte, bemerkte er, dass der Drache in seiner Nähe etwas fallen gelassen hatte. Neugierig geworden, gingen er und sein Gesinde auf die «ausgeschwitzte Masse» zu, die sie als geronnenes Blut deuteten. Stempflin stiess mit einem Stock in die sulzartige Masse, sodass diese auseinander fiel. Er fand darin einen Drachenstein.

    Er nahm den Stein nach Hause, reinigte ihn und bewahrte ihn viele Jahre auf, da er von ungewöhnlicher Farbe mit komischen Zeichen versehen und kugelrund war, etwa in der Grösse einer Billardkugel. Ein Enkel Stempflins versetzte in einer Notlage den Stein beim Luzerner Arzt Martin Schryber – Gerichtsschreiber von 1509 – 1531. Dieser liess eine obrigkeitliche Urkunde über die Herkunft des Drachensteins, auch «Drakonit» genannt, herstellen, worin auch über dessen Wunderkraft, etwa gegen Geschwüre, Blutungen und die Ruhr, festgehalten wurde. Der Stein hat in der Folge, nicht zuletzt wegen seiner angeblichen Heilkraft, mehrmals seine Besitzer gewechselt.

    Letztlich gelangte der Drakonit in den Besitz der Familie Meyer von Schauensee und direkt oder indirekt in das Naturhistorische Museum Luzern, das ihn schliesslich leihweise an das Schweizerische Pharmaziehistorische Museum in Basel gab. Seit der Eröffnung des Naturmuseums Luzern im Jahre 1978 ist der Stein dort zu sehen, fein säuberlich in der zugehörigen, mit rotem Samt ausgeschlagenen Schatulle. Berühmte Wissenschaftler hatten sich mit der Herkunft des Drakoniten befasst, ohne dass dieses Rätsel je befriedigend gelöst werden konnte.

  • Erdmännchen

    Erdmännchen

    Im Jahre 1592, so wird erzählt, hatte Hans Bucher von Malters, als frommer, wahrhafter und stiller Mann bekannt, nachstehendes Erlebnis. Sein Leben lang zog es Hans Bucher auf die Jagd und zum Fischen in die Wildnis des Pilatusgebiets hinauf. Insgeheim hoffte er stets, einmal einem Erdmännchen zu begegnen. Eines Tages begab er sich seiner Gewohnheit gemäss zum Rümligbach, um dort nach Forellen zu fischen. Da sprang ihm plötzlich, am heiterhellen Tag, ein Erdmännchen von hinten in den Nacken. Mit unheimlicher Kraft drückte das Erdmännchen den Fischer vornüber in den Bach, dass er zu ertrinken drohte, obwohl er ein kräftiger junger Mann war. Das Erdmännchen aber redete ihn sichtlich erzürnt an: «Du bist auch einer jener Gesellen, die mir immer wieder meine Tierlein und mein Vieh plagen und zerstreuen. Ich will dir jetzt eine Strafe sowie einen Denkzettel geben. Du wirst künftig meine Tierlein an diesem Ort nicht mehr belästigen!» Dann verschwand das Erdmännchen. Aber als Hans Bucher, Untervogt zu Malters, nach Hause kam, fühlte er sich schwach, übel zugerichtet und auf einer Körperseite lahm. Er konnte die Wildnis des Pilatusberges nicht mehr aufsuchen und musste seither das Haus hüten.

  • Züsler

    Züsler

    «Fünfzig Meter neben unserem Hof steht eine Scheune mit angebautem Hühnerstall. Darin wurde Vieh gehalten, und auch der Hühnerstall war besetzt. Nun gewahrte ich als etwa neunjähriges Mädchen aus dem Loch, ohne Schieber, welches zum Hühnerstall führte, einen glühenden Kopf, der mich durchdringend anstarrte. Es war am hellen Nachmittag, man sah den Kopf zweimal am selben Tag. Auch meine Geschwister, die damals fünfzehn, dreizehn, zwölf, elf und fünf Jahre alt waren, haben die Erscheinung gesehen. Wir kriegten einen grossen Schrecken dabei. Der Vater mahnte: Macht ein Kreuz, wenn ihr den Kopf das nächste Mal seht! - Da wir Kinder aber weiter Angst hatten und uns nicht mehr in den Stall getrauten, liess der Vater Messen lesen.»

    Im Eigenthal sind die letzten Zundelmänner oder Züsler im Raum Luzern gesichtet worden: Feuergeister, die in enger Verwandschaft zu Salamandern und Drachen stehen. Die Geschichte über den Züsler auf Alp Meienstoss erzählte eine ehemalige Bewohnerin, die dort mit fünf Geschwistern aufgewachsen ist.

Die Alpen am Pilatus

Die Alpbetriebe an den Nordhängen des Pilatus sind Zeugen einer alten Agro-Kultur, in welcher das Rind die Hauptrolle spielt.

  • Stafel

    Stafel

    1288 Meter über Meer

    Etwa eine Wegstunde ab Postautokehrplatz Eigenthal befindet sich die Alp Stafel. Die Alpgebäude liegen direkt am Gütersträsschen, das bis zur Trochenmatt weiterführt. Die Alp umfasst 18 ha Weideland, 3 ha Streue und 34 ha Wald.

    Die Alp Stafel soll früher «Frohnstaffel» benannt gewesen sein. Das Wort «Frohn» soll dabei von «vor» (Herr) abgeleitet sein und in Ortsnamen die Zugehörigkeit zu einer Kirche oder geistlichen Pfründe ausgesagt haben. Der Senn Hans Alimann hatte hier um 1490 den einzigen Weg zu hüten, der zur Oberalp und zum Pilatussee führte. Unter Eid stehend, durfte er niemanden ohne Bewilligung und ohne Begleitung einer Stadtwache passieren lassen, um den Geist des Pontius Pilatus nicht zu stören. Die Alp «Frohnstaffel» wurde im Jahre 1645 in der Alpnacher Tauschurkunde «Seewenstaffel» genannt, dies offensichtlich, weil der direkte Zugang über das Fruttweglein zum Pilatussee von hier aus erfolgte.

    Zum Zweck von Aufforstung (Schutzwaldungen) ging die Alp 1910 in den Besitz des Kantons über. Der Kaufpreis soll 32000 Franken betragen haben. Bis zur Aufhebung der Strafanstalt Sädel wurde auf dem Stafel fast ausschliesslich Vieh vom Gutsbetrieb Sädel gesömmert. Gelegentlich waren auf der Alp auch Strafgefangene zur Mitarbeit eingesetzt.

    Quelle: Pilatusalpen Hans Pfister, 2. Auflage 1983

  • Trochenmatt

    Trochenmatt

    1376 Meter über Meer

    Die Alp Trochenmatt ist bereits seit 1864 im Besitz der Alpgenossenschaft. Sie liegt zuhinterst im Eigenthal, wo auch das Gütersträsschen endet, mit dem das ganze Tal erschlossen ist. Die Gebäulichkeiten auf der Trochenmatt befinden sich in einem recht guten Zustand. Nebst der Alphütte mit der Wohnung und angebauter Stallung gibt es noch einen besonderen Alpstall mit Heubühne. Ein kleiner, alter Kässpeicher ist umfunktioniert worden, indem ein Zimmer eingebaut wurde. Wie die meisten Alpen auf der Nordseite des Pilatus verfügt auch die Trochenmatt weder über Strom noch über ein Telefon. Immerhin führt das Wasser in die Hütte. Die Alp umfasst 40 ha Weideland, 2,5 ha Heuland, 1 ha Streue sowie 14 ha Wald.

    Die Trochenmatt gibt auch erste Hinweise auf das Vorkommen des Alphorns. Der berühmte Gelehrte und Naturforscher Dr. Konrad Gessner, bekannt geworden auch durch seine Pilatusreise, hat 1555 am Fusse des Mittaggüpfis selbst Versuche unternommen, dem Alphorn Töne zu entlocken. Es ist anzunehmen, dass das Alphorn im 16. Jahrhundert in der Gegend kein seltenes Ding gewesen ist. Es war 1575 bereits Gegenstand einer kriminellen Untersuchung, denn ein Jost Aeberhart von Malters hatte seinem Bruder damals ein Alphorn gestohlen und dieses um vier Batzen verkauft! Vor über 120 Jahren sollen Pläne bestanden haben für die Errichtung eines Gasthauses auf der Trochenmatt. Während vieler Jahre war die Alphütte im Winter an den Skiclub Malters vermietet, bis dieser 1981 ein eigenes Skihaus auf der «Mösern» erstellte.

    Quelle: Pilatusalpen Hans Pfister, 2. Auflage 1983

  • Ober Pfyfferswald

    Ober Pfyfferswald

    1375 Meter über Meer

    Die Alp Ober Pfyfferswald ist recht sonnig am Südabhang des Studberges gelegen. Von den Alphütten aus ist ein eindrücklicher Blick auf das zerklüftete Pilatusgebiet gegeben. Die auf einer Höhenterrasse gelegene Alp ist nur mässig geneigt. Der Weideboden ist ziemlich trocken, daher gutgräsig, und das Vieh hat einen ringen Weidgang. Ober Pfyfferswald ist daher eine der besseren Alpen im Eigenthal. Sie nimmt eine Fläche von 22 ha Weideland, 0,5 ha Heueinschlag, 0,5 ha Streue und 12 ha Wald ein.

    Weil an und für sich eher ungewöhnlich, erregte es einiges Aufsehen, als ab Ende der siebziger Jahre für einige Sommer zwei junge Älplerinnen aus dem Aargau die Hirtendienste auf der Ober Pfyffersalp versahen und die 49 Rinder und einige Ziegen bestens betreuten.

    Quelle: Pilatusalpen Hans Pfister, 2. Auflage 1983

  • Unter Pfyfferswald

    Unter Pfyfferswald

    1230 Meter über Meer

    Mit seinen 8,4 ha Weideland, 4 ha Streue und 8,5 ha Wald ist die Alp Unter Pfyfferswald relativ klein an Ausdehnung. Die Alphütte mit angebauter Stallung verfügt über eine recht heimelige Wohnung und ist im allgemeinen gut unterhalten. Der Bund hat diese Alp – wie auch andere – im Eigenthal aufgekauft, weil sie im Bereich des militärischen Hilfsschiessplatzes liegt.

    Bereits vor Jahren hat ein Gutachten festgestellt, dass die Bewirtschaftung als selbständiger Alpbetrieb wegen der geringen Weidefläche eher fragwürdig sei. Dies nicht zuletzt auch darum, weil ein guter Teil der Alp völlig durchnässt und daher der Futterertrag und dessen Qualität entsprechend schlecht ist. Daran vermag auch der vergnüglich plätschernde Brunnen vor der Alphütte nichts zu ändern, der dem Wanderer Labsal spendet. Der Gelehrte Konrad Gessner schreibt über die Quellen im Eigenthal anlässlich seiner Pilatusreise 1555: «Einer der höchsten Genüsse für den Geschmacksinn ist der erfrischende Trank von Quellwasser, das da den müden und dürstenden Wanderer auf unschädliche oder sicher weniger schädliche Weise labt als im Tal und zu Hause.»

    Quelle: Pilatusalpen Hans Pfister, 2. Auflage 1983

  • Hirsboden

    Hirsboden

    1401 Meter über Meer

    Die Alp Hirsboden liegt im Einzugsgebiet des Hilfsschiessplatzes Eigenthal. Sie steht denn auch seit bald zwei Jahrzehnten im Besitze der Eidgenossenschaft.

    Ähnlich wie der Ober Pyfferswald ist der Hirsboden recht sonnig am Südhang der Berge Ochs und Studberg gelegen. Der obere Teil der Alp ist ziemlich trocken und gutgräsig. Ein grösserer Abschnitt der Weide ist jedoch mit Felsblöcken durchsetzt, die von einem früheren Bergsturz herrühren dürften. Am Alpgebäude selbst sind beachtliche Sanierungen vorgenommen worden, so dass es einen guten Eindruck vermittelt.

    Hirsboden verfügt über 18 ha Weideland, 3 ha Streue und 3 ha Wald.

    Quelle: Pilatusalpen Hans Pfister, 2. Auflage 1983

  • Gumm

    Gumm

    1405 Meter über Meer

    Gut geschützt von Winden und Stürmen aus West und Nord, liegt die Alp Gumm fast lieblich eingebettet in der Mulde zwischen den Pilatus-vorbergen Regenflüeli, 1582 m und dem Studberg, 1603 m. Die Mulde ist gegen Osten geöffnet, und von der Alp ergibt sich ein hübscher Ausblick in die Voralpen und zum Massiv des Pilatus. Die Alphütte mit dem zweigeschossigen Wohnteil und dem tief gezogenen Krüppelwalm nimmt sich «bhäbig» aus und befindet sich in einem recht guten Zustand.

    Die Gumm-Alp ist zweifellos eine der schönst gelegenen unter den Sömmerungsalpen auf der Nordseite des Pilatus. Zusammen mit Hinter-Mülimoos ist Gumm der höchstgelegene Stafel in der Gemeinde Schwarzenberg. Er umfasst 6,5 ha Weideland, 0,5 ha Heueinschlag und 16 ha Wald. Ausser einigen durchnässten Stellen wird das Weideland als gutgrasig taxiert.

    Eines der Probleme auf dieser Alp ist die schlechte Erschliessung. Ab der Alp Ober Honegg ist es nur noch ein schlechter und übermässig steiler Schlittweg, der auf Gumm führt. Es mag eher verwundern, dass hier nicht mindestens ein Materialseil zum Talboden führt. Von der Alp Gumm aus ist das Regenflüeli in kurzer Zeit zu besteigen, ebenso der Studberg, wo ein Gratpfad weiter zum Ochs und Hüenerhubel führt.

    Quelle: Pilatusalpen Hans Pfister, 2. Auflage 1983

  • Rosenboden

    Rosenboden

    1278 Meter über Meer

    Einen schönen Namen trägt die Alp, die recht exponiert an den nach Osten und Südosten abfallenden Steilhang des Lindenberges - eines Ausläufers des Regenflüelis - liegt. Gemäss Überlieferung der Familie Zemp, in deren Eigentum sich die Alp seit 5 Generationen befindet, könnte der Name Rosenboden auf die vereinzelten Vorkommnisse der Alpenrose zurückzuführen sein.

    Während anfangs des letzten Jahrhunderts hier die Familie Zemp das ganze Jahr wohnte, und die Kinder täglich auch den Schulweg bis nach Schwarzenberg unter die Füsse nahmen, wird heute die Alp in Kombination mit der Liegenschaft Buchsteg bewirtschaftet. Die Familie Bernhard & Monika Zemp bringen im Sommer rund zwölf Mutterkühe mit ihren Kälbern, sieben Rinder und zehn Sömmerungsschafe auf die Alp und können so im Talbetrieb mehr Heu für die Winterfütterung ernten.

    Die Aussicht vom Rosenboden ist einzigartig, denn das Schweizer Mittelland mit Blick bis an den Jura scheint einem zu Füssen zu liegen! So eröffnet sich ein Blickwinkel vom Pilatus, den Myten über die Rigi bis hin zum Napf. Interessant ist, dass zu dieser Alp 20 ha Bergwald gehören, während der Anteil an Weideland mit 19 ha geringer ist, obwohl noch 1,4 ha Streue zugerechnet werden können. Trotz der mehrheitlich steilen Hanglage besteht ein guter Graswuchs, abgesehen von den einzelnen Flyschabschnitten. Aufgrund der Steilheit ist die Bewirtschaftung jedoch mit viel Handarbeit verbunden.

    Das Alpgebäude mit Wohnung und Stall ist in recht gutem Zustand, und es bestehen gute Wohnverhältnisse. Im südlichen Alpteil, am Weg Richtung Gumm, befindet sich noch ein Alpstall. Obwohl immer wieder die Erschliessung der Alp investiert wurde, so mutet es immer noch fast riskant an, wenn man von der Ober Honegg zur Alphütte hochfährt. Und Gewitterschäden und Hangrutsche gehören halt auch hier im niederschlagreichen Pilatusgebiet zu den jährlichen Ereignissen.

    Quelle: Pilatusalpen Hans Pfister, 2. Auflage 1983

  • Ober Honegg

    Ober Honegg

    1184 Meter über Meer

    Dem Wanderer im Einzugsgebiet des Eigenthals ist die Alp Ober Honegg bekannt. Im erhobenen Milchtrichter (Volle) sprach der 2017 verstorbene Älpler Hans Fuchs jahrelang jeden Abend beim Einnachten den Betruf, um damit die Alp und das weidende Vieh dem Schutz Gottes und der Heiligen zu empfehlen. Es ist bekannt, dass schon 1565 im Eigenthal um die Betglockenzeit das «Ave Maria» mit möglichst lauter Stimme gerufen wurde. Eine Sage berichtet sogar, dass ein Gespenst daherkam, wenn die Sennen es unterliessen, den Alpsegen und das «Ave Maria» auszurufen. Dieses soll ausgesehen haben wie ein langbebarteter Zwerg, mit einer Salz- oder Lecktasche über der Achsel und einer Rute in der Hand. Fort, durch die Lüfte trieb er das Vieh dahin, wie dies Leute gesehen haben im Momente des Erhebens. Erst am dritten Tag kamen die Tiere wieder zurück mager, elend und gar «ergaltet». Dies zum grossen Schreck der nachlässig gewordenen Älpler.

    Die Alp Ober Honegg umfasst 22 ha, wovon 10 ha Weideland, 10,5 ha Wald und 1,5 ha Streue sind. Es sind zwei Alpgebäude vorhanden, im unteren (1184 m) befinden sich Wohnung und Stallteil, und im oberen (1219 m) ist neben der Stallung eine Ferienwohnung eingebaut worden. Dank der Handfertigkeit des Besitzers und seiner Helfer sind die Gebäude gut unterhalten.

    Die im Boden tief verankerten Nagelfluhblöcke rühren offensichtlich von einem Bergsturz her. Es geht nicht umsonst die Sage, die alte Honegg-Hütte liege tief verschüttet unter Felsmassen, die sich am Regenflüeli gelöst haben sollen.

    Quelle: Pilatusalpen Hans Pfister, 2. Auflage 1983

  • Oberlauelen

    Oberlauelen

    1332 Meter über Meer

    Unmittelbar zu Füssen der sich jäh zum Chastelen und zum Pilatus auftürmenden Felsbastionen befindet sich die Alp Oberlauelen. Sie ist durch den Grat der Lauelenegg optisch von der benachbarten Alp Boneren getrennt und liegt auch eher etwas abseits vom grossen Touristenstrom. Es ist beeindruckend, wie auf der Lauelen Weideland und Bergwald fast unvermittelt wechseln mit den steilen Flühen. Die Alphütte ist an der Wegscheide der Bergwege Eigenthal – Heitertannli und den Routen nach Boneren und Fräkmüntegg. Diese Hergiswiler Alp auf Nidwaldner Boden wird vom Pächter der Unter Lauelen, Eigenthal, bewirtschaftet, der neben dem landwirtschaftlichen Jahresbetrieb Unter Lauelen auch noch die gleichnamige Alpwirtschaft führt. Die Alp Oberlauelen ist mit Unter Lauelen durch eine Materialseilbahn verbunden.

    Auf der Alp Oberlauelen wurde man des öftern Zeuge von Bergunglücken. Gemäss einer Sage wusste ein Senn zu berichten, dass in dunklen Nächten beim Heitertannliweg Lichter hin und her oder auf und ab gingen. Auf Anrufe erhielt man keine Antwort. Daher wurde angenommen, dass die Lichter «wandeln» müssen, weil sie am Sonntag statt zur Kirche auf den Pilatus gegangen seien!

    Der Heitertannliweg, der von der Oberlauelen nach dem Klimsen führt, verlangt einen ständigen Unterhalt. In den Jahren 1888 bis 1890 scheiterte eine Verbesserung des Bergweges an den Forderungen des Korporationsrates von Hergiswil. Seit einer Reihe von Jahren bemühten sich die Sektion Pilatus Luzern des SAC und einige Gasthäuser der Gemeinde Schwarzenberg für die Instandhaltung des viel begangenen Wegleins, heisst es in der Chronik. Seit Jahren machen sich um den Weg vorab die Pro Pilatus und die Grotzlikommission Malters mit Fronarbeit verdient.

    Quelle: Pilatusalpen Hans Pfister, 2. Auflage 1983

Forrenmoos

Von nationaler Bedeutung

Von nationaler Bedeutung

Das Forrenmoos ist ein Hochmoor von nationaler Bedeutung und liegt im Talgrund des Eigenthals in der Gemeinde Schwarzenberg. Es umfasst rund 6 ha und ist grösstenteils Eigentum von Pro Natura. Enstanden ist das Forrenmoos vor rund 10’000 Jahren, als sich der Rümliggletscher aus dem Eigenthal zurückgezogen hat. In der Ebene bildete sich ein See. Dieser verlandete zusehends und so entstanden erste Sümpfe und nach und nach ein Hochmoor. In dieser Zeit floss der Rümlig vermutlich am Nordhang des Eigenthals, später durchbrach er das Moor und teilte es entzwei. Noch heute findet man die beiden Teilstücke: das Forrenmoos und das Meienstoosmoos.

Marienkapelle Eigenthal

Entstehung

Entstehung

Die Marienkapelle soll im Jahre 1517 gebaut worden sein. Im Deckenbild ist die Geschichte um eine böse Seuche dargestellt, die zum Bau der Kapelle geführt haben soll. Männer des Tales fanden sich zusammen, um zu beraten, wie der Seuche Einhalt geboten werden könne. Da erschien in ihrer Mitte unversehens ein ehrbarer, grauer Mann aus dem Aargau. Er gab den Männern den Rat, zu Ehren der Himmelskönigin Maria eine Kapelle zu errichten und jedes Jahr darin eine Messe zu lesen. Hierauf verschwand der Mann. Die Männer machten sich unverzüglich ans Werk. Die bösen Geister und Hexen, die, so glaubte man damals, die todbringende Krankheit ins Eigenthal gebracht hatten, verliessen hierauf fluchtartig das Tal. Eine andere Sage jedoch macht die Aussage, dass den Zwergen am Pilatus das Verdienst zukomme für das Versiegen der Pest. Mit furchtbarer Stimme sollen sie vom Berg herab gerufen haben: «Esset schwarze Astrenzen und Bibernellen, so sterbet Ihr nicht alle!»

Älplerfest

Besonders im 17. und im 18. Jahrhundert erlebte das Eigenthal einen grossen Zustrom von Pilgern. An Festtagen sollen Scharen von Besuchern das stille Tal aufgesucht haben. Am Nachmittag solcher Kirchfeste herrschte fröhliches Treiben, das sich im Verlauf der Jahre zu eigentlichen Älplerfesten entwickelte, mit Schwingen, Ringen, Sackgumpen, Käszännet und Tanzvergnügen. So galt der Besuch des Kirchweihfestes je länger je mehr dem vergnüglichen Nachmittag, denn der kirchlichen Feier. Ein besonders grosses Fest wurde im Eigenthal 1817 zum Anlass der 300-Jahr-Feier der Kapelle veranstaltet. Mit weithin vernehmlichen Böllerschüssen wurde das Fest schon am Vorabend angekündigt.

Votivtafeln

Votivtafeln in der Marienkapelle im Eigenthal geben Kunde über die Erhörung von Gebeten zur Gnadenmutter. So wurden 1692, am Tage des Dreifaltigkeitsfestes die vier jungen Gesellen Adam Schlatt aus der Stadt Luzern, Thomas Stadler aus Malters, Jakob Bircher aus dem Entlebuch und Josef Hofer von Meggen im Eigenthal von einem Gewitter getroffen. Das war so arg, dass den Männern das Geld in den Taschen schmolz. Nach der Anrufung Marias aber habe das Wetter dann sofort nachgelassen. Unter den vielen Tafeln, die von erhörter Fürbitte nach Krankheit und Gebrechen berichten, ist jene aus dem Jahr 1867 zu erwähnen, nach der dank der Fürbitte die Stadt Luzern von der Cholera verschont geblieben sei.

Besitzerin

Die Eigenthal-Kapelle steht im Besitz der Stadt Luzern. Durchgreifende Innen- und Aussenrestaurierungen erfolgten letztmals 1978 bis 1985. Die kirchliche Betreuung ist der Stiftung Seelsorge Eigenthal, Luzern, übertragen.

Renovationen

Die Marienkapelle ist bestimmt das bedeutendste Bauwerk im Eigenthal. Ihr Ursprung soll mindestens auf das Jahr 1517 zurückgehen. So ist es gut nachvollziehbar, wenn Veränderungen an der Marienkapelle immer wieder auch Emotionen und gegensätzliche Standpunkte provozierten. In den 1940er-Jahren stiftete Walter J. Heller für die Marienkapelle fünf farbige Fenster des berühmten Glasmalers Ernst Reich aus Bern. Die Fenster stellen die Namenspatrone der Kinder des Stifters dar: Franz von Assisi, Hl. Monika, Bruder Klaus, Hl. Anna und Hl. Walther.

Weitgehend auf Initiative von Albert Sigrist, damaliger Präsidenten der Stiftung Seelsorge Eigenthal, konnte in den 1980er-Jahren die Marienkapelle im Eigenthal total restauriert werden. Gemeinsam mit der kantonalen Denkmalpflege und der Stadt Luzern wurde die Kapelle renoviert und ihr barocker Ursprung wieder hergestellt. Nach Auffassung der Denkmalpflege vertrugen sich die genannten farbigen Kapellenfenster nicht mehr mit dem barocken Innenraum der Marienkapelle. Sie wurden in der Folge und mit dem Einverständnis der Stifterfamilie durch isolierte und klar verglaste Mondscheibengläser (Putzenscheiben) ersetzt. Der Stiftungsrat der Stiftung Seelsorge Eigenthal kümmerte sich aber auch um die farbigen Ernst Reich-Fenster. Für diese hatte er in der Christkönigskirche Splügen (Rheinwald) ein Bauwerk gefunden, wo diese auch stilistisch sehr gut hinein passten. Am 12. Mai 1994 konnten diese Fenster in Splügen in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht werden. In der Zwischenzeit hat sich die Aufregung der Eigenthaler Bevölkerung wegen der farbigen Glasfenster gelegt, und die Marienkapelle erfreut mit ihrem hellen Licht und dem schmucken barocken Innenraum zahlreiche Kirchgänger.

Orgelklänge

Am 10. November 2006 feierte die Stiftung Seelsorge Eigenthal in der Marienkapelle im Eigenthal Orgelweihe. Seither erklingt im barocken Krichenraum der Marienkapelle eine «richtige» Orgel. Das kam so: An einem stimmungsvollen Frühlingsabend fuhr eine Delegation des Stiftungsrates nach Magden, wo sie bei Peter Näff und seiner Frau eine kleine Orgel in bestem Zustand antrafen. Allen war bald klar, dass diese Kleinorgel in die Marienkapelle ins Eigenthal gehörte. Zusammen mit dem ortsansässigen Orgelbauer Martin Lochstampfer und der Schwarzenberger Feuerwehr konnte die Orgel ins Eigenthal gezügelt werden, wo sie Diakon Fritz Renggli am 10. November 2006 feierlich segnen durfte. Seither erklingt die Orgel und ist das musikalische Bijou der Marienkapelle. Sie erfreut Gäste, Besucher und Kirchgänger gleichermassen.

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten täglich von 8.00 – 18.00 Uhr
Gottesdienst sonntags um 10.30 Uhr

Pfarramt
+41 41 497 12 44
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Schwarzenberger Krippenfiguren

Entstehung

Entstehung

Die ersten Biblischen Figuren wurden 1964 von Sr. Anita Derungs OP im Kloster Ilanz entwickelt. Die Anregung dazu kam von der damaligen Präsidentin Fryberg-Candinas des Müttervereins Graubünden. Sie träumte von einer Weihnachtskrippe für die Familie mit beweglichen Figuren. Über bewegliche Krippenfiguren hatten sich zuvor schon viele Gedanken gemacht, es lassen sich verschiedene Vorläuferfiguren nachweisen. Deren Beweglichkeit scheiterte allerdings an mangelhaftem Werkmaterial, so beispielsweise am zerbrechlichen Draht. Sr. Anita Derungs arbeitete mit Werkmaterial, wie es in jedem Haushalt aufzutreiben war: Elektrikerdraht, auch Sisaldraht, Stoff- und Holzreste. Die Köpfe modellierte sie mit Hartschaum und überzog sie mit Duvetine oder Kettsamt. Diese Materialien werden heute noch verwendet.

Haus der Mütter

Josy Brunner, Leiterin vom Haus der Mütter auf dem Schwarzenberg, einer Fortbildungseinrichtung der katholischen Frauen- und Müttergemeinschaft, interessierte sich sehr für die Figuren und organisierte noch im selben Jahr – also 1964 – einen ersten Krippenfiguren-Kurs. Die ersten Kursteilnehmerinnen waren begeistert und setzten sich in den Folgejahren mit grosser Hingabe für die Weiterentwicklung der Figuren ein.

Entwicklung

1966 kam Doris Egli in Kontakt mit den Figurenfrauen und wirkte mit Feuereifer bei der Weiterentwicklung der Figuren mit. Ihre Ausbildung als Gestalterin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart erwies sich hier als sehr hilfreich. Die gemeinsame Arbeit von Doris Egli und den anderen Figurenfrauen auf dem Schwarzenberg war nur von kurzer Dauer. Der Konflikt entzündete sich am Werkmaterial. Damals, in den ersten Figurenkursen, wurde noch Verschiedenes ausprobiert. Zwei technische Verbesserungen waren bedeutend: Erstens die Entwicklung von Bleischuhen; nachdem man zuerst Holzschuhe verwendet hatte, entwarf und goss Pfarrer Werner Thommen 1968 die ersten Bleischuhe. Und zweitens die Entwicklung der Metallklammer. Diese wurde von Doris Egli entwickelt, um die beiden Sisaldrähte für Beine und Arme stabil zusammenzuhalten.

Urheberrechte

Eglis Bemühen um Urheberrechtsansprüche bei den Figurengestellen hat in der Schweiz zu einem grossen Konflikt unter den Figurenfrauen geführt und letztendlich den Bruch von Doris Egli mit dem Schwarzenberg und den anderen Figurenfrauen bewirkt. Seither arbeitet Doris Egli vor allem im süddeutschen Raum mit ihrem Original-Egli-Material weiter, und die Schwarzenberger mit ihren Schwarzenberger Figuren.

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