Marienkapelle Eigenthal

Die Marienkapelle soll im Jahre 1517 gebaut worden sein. Im Deckenbild ist die Geschichte um eine böse Seuche dargestellt, die zum Bau der Kapelle geführt haben soll. Männer des Tales fanden sich zusammen, um zu beraten, wie der Seuche Einhalt geboten werden könne. Da erschien in ihrer Mitte unversehens ein ehrbarer, grauer Mann aus dem Aargau. Er gab den Männern den Rat, zu Ehren der Himmelskönigin Maria eine Kapelle zu errichten und jedes Jahr darin eine Messe zu lesen. Hierauf verschwand der Mann. Die Männer machten sich unverzüglich ans Werk. Die bösen Geister und Hexen, die, so glaubte man damals, die todbringende Krankheit ins Eigenthal gebracht hatten, verliessen hierauf fluchtartig das Tal. Eine andere Sage jedoch macht die Aussage, dass den Zwergen am Pilatus das Verdienst zukomme für das Versiegen der Pest. Mit furchtbarer Stimme sollen sie vom Berg herab gerufen haben: "Esset schwarze Astrenzen und Bibernellen, so sterbet Ihr nicht alle!"
Marienkapelle Eigenthal
Votivtafeln in der Marienkapelle im Eigenthal geben Kunde über die Erhörung von Gebeten zur Gnadenmutter. So wurden 1692, am Tage des Dreifaltigkeitsfestes die vier jungen Gesellen Adam Schlatt aus der Stadt Luzern, Thomas Stadler aus Malters, Jakob Bircher aus dem Entlebuch und Josef Hofer von Meggen im Eigenthal von einem Gewitter getroffen. Das war so arg, dass den Männern das Geld in den Taschen schmolz. Nach der Anrufung Marias aber habe das Wetter dann sofort nachgelassen. Unter den vielen Tafeln, die von erhörter Fürbitte nach Krankheit und Gebrechen berichten, ist jene aus dem Jahr 1867 zu erwähnen, nach der dank der Fürbitte die Stadt Luzern von der Cholera verschont geblieben sei.

Besonders im 17. und im 18. Jahrhundert erlebte das Eigenthal einen grossen Zustrom von Pilgern. An Festtagen sollen Scharen von Besuchern das stille Tal aufgesucht haben. Am Nachmittag solcher Kirchfeste herrschte fröhliches Treiben, das sich im Verlauf der Jahre zu eigentlichen Älplerfesten entwickelte, mit Schwingen, Ringen, Sackgumpen, Käszännet und Tanzvergnügen. So galt der Besuch des Kirchweihfestes je länger je mehr dem vergnüglichen Nachmittag, denn der kirchlichen Feier. Ein besonders grosses Fest wurde im Eigenthal 1817 zum Anlass der 300-Jahr-Feier der Kapelle veranstaltet. Mit weithin vernehmlichen Böllerschüssen wurde das Fest schon am Vorabend angekündigt.

Die Eigenthal-Kapelle steht im Besitz der Stadt Luzern. Durchgreifende Innen- und Aussenrestaurierungen erfolgten letztmals 1978 bis 1985. Die kirchliche Betreuung ist der Stiftung Seelsorge Eigenthal, Luzern, übertragen.

Hans Pfister
 
PRO EIGENTHAL SCHWARZENBERG